Wangen a/A

Gesprächsabend

Liebe Leserin, lieber Leser. „Dieser Bibeltext ist wirklich nicht einfach zu verstehen“, meinte kürzlich eine Person nach einer Predigt über eines der „Ich-bin-Worte“. Auch für uns Pfarrer/Pfarrerin ist es – obschon wir Theologie studiert haben – eine Herausforderung, uns mit diesen bildlich sehr schönen, aber inhaltlich komplexen Bibelstellen des Johannesevangeliums auseinanderzusetzen.

Vielleicht fragen Sie sich, warum wir es trotzdem tun. Im Folgenden versuchen wir erste Stellungsnahmen aus unserer je eigenen Sicht zu formulieren, über die wir gerne mit Ihnen an einem Gesprächsabend weiterdiskutieren möchten.

Was mir an den „Ich-bin-Worten“ wichtig ist:
Roland Diethelm: In den sieben „Ich-bin-Worten“ tritt mir Jesus entgegen und offenbart sich selbst. In vielen Geschichten stehen seine Taten im Zentrum, wunderbares Wirken an anderen Menschen. Seine grossen Reden wie die Bergpredigt (im Matthäus-Evangelium) oder die Feldrede (im Lukas-Evangelium) erörtern die wahre Religion, indem sie zum rechten Tun anleiten oder Heuchelei und Bosheit entlarven. In der Aussendungsrede und in der Rede über die Endzeit unterweist Jesus seine Boten, wie sie zu rechten Verkündigern der frohen Botschaft werden und durchhalten in einer feindlichen Welt. Und in den Gleichnissen bringt er Gott seinen Zuhörern als Vater und liebevolle Kraft nahe. Wer aber ist Christus? Und wer meint, er offenbare sich mit den Ich-bin-Worten handgreiflich, wird gleich wieder eines Besseren belehrt.

Pamela Wyss: Ich schätze, dass die „Ich-bin-Worte“ Bilder und Vergleiche aus meinem Alltag, meinem täglichen Leben aufnehmen. So backe ich z.B. unser Brot selbst, ich bin fasziniert von Türen aller Art und das Bild des Weges spricht mich an, da ich sehr gerne wandere. Bei der Vorbereitung dieser Predigtreihe habe ich allerdings merken müssen, dass die scheinbar deutlichen Bilder nochmals eine ganz andere Deutung erhalten, die weit weg von meinem konkreten Alltag ist, wenn Jesus sie auf sich bezieht.
Da es Kernaussagen des Johannes-Evangeliums sind, die uns aufzeigen wollen, was, bzw. wer Jesus für uns sein möchte, ist es mir wichtig, dass wir uns als Christen damit befassen.

Was ich am Johannesevangelium schätze:
Roland Diethelm: Der Verfasser des Johannes-Evangeliums gilt als der Theologe unter den Autoren des Neuen Testaments. Diesen Ruf hat er sich damit eingehandelt, weil er anstelle einer herzigen Weihnachtsgeschichte gleich mit einem philosophischen Gedicht anfängt, das die Schöpfungsgeschichte aus der Genesis aufnimmt. Auch die „Ich-bin-Worte“ knüpfen an den brennenden Dornbusch im Buch Exodus an, wo Gott sich dem Mose als der „Ich-bin-der-ich-sein-werde“ vorstellt. Dabei ist das Johannesevangelium eine intelligente und tiefsinnige Schrift, die uns auch mit Ironie und krassen Missverständnissen begegnet, wie ein Roman von Thomas Mann.

Pamela Wyss: Mir gefallen vor allem die vielen, zum Teil sehr ausführlichen Gespräche und Dialoge. Ich kann mich dadurch gut in die Personen versetzen, die Jesus jeweils gegenüber standen. Oft haben sie ganz ähnliche Fragen wie ich. Und: Sie verstehen häufig nicht, was Jesus meint. Vielleicht tönt das seltsam, aber mich tröstet es, dass sogar die, welche so nahe an ihm dran waren, Fragen und Zweifel hatten und ihn oft auch nicht verstanden.

Wie geht es Ihnen mit den „Ich-bin-Worten“? Was beeindruckt Sie an den Aussagen von Jesus? Gerne möchten wir darüber und auch über andere Fragen oder Anliegen, die Sie haben mit Ihnen ins Gespräch kommen. Wir laden Sie daher am 26. Juni um 19.30 Uhr zu einem Gesprächsabend in die Alte Mühle ein und freuen uns auf eine angeregte Diskussion.

Roland Diethelm und Pamela Wyss

zurück