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Bettag

Der eidgenössische Dank-, Buss- und Bettag wird in der ganzen Schweiz mit Ausnahme Genfs am 15. September 2019 gefeiert.

Seit 1832 wird der Feiertag immer auf den dritten Sonntag im September gelegt. Buss- und Bettage haben in Mitteleuropa eine lange Tradition. Sie wurden von der Regierung angeordnet, um in Notzeiten in sich zu gehen, zu beten und zu fasten.

Der Bettag ist als religiös-politischer Feiertag an keine Konfession gebunden und wird vielerorts auch mit einem ökumenischen Kirchenfest begangen. Dem Anlass entsprechend werden auch Persönlichkeiten aus Politik und Zivilgesellschaft eingeladen, bisweilen auch auf die Kanzel.

In unserem Land geht es den allermeisten gut oder sehr gut. «Nöte, die das Beten lehren» würden, treffen uns in der Tagesschau oder im individuellen Schicksalsschlag. Als gemeinschaftliches staatliches Thema taucht die Bedrohung nur gefiltert in den «Sorgenbarometern» der Meinungsumfragen auf. Und doch gibt es gute Gründe, den Bettag ernsthaft zu begehen.

Das grundlegende Thema des Bettags beschreibt das berühmte Wort des deutschen Verfassungsrechtlers Ernst-Wolfgang Böckenförde «Der freiheitliche, säkularisierte Staat lebt von Voraussetzungen, die er selbst nicht garantieren kann.»

Die freiheitliche Ordnung des Staates braucht den Gemeinsinn bei denen, die in diesem Staat leben. Woraus speist sich dieses Ethos, das vom Staat weder erzwungen noch hoheitlich durchgesetzt werden kann? Zunächst von der gelebten politischen Kultur, wie wir miteinander umgehen und welche Werte uns leiten.

Die Quellen dieser Kultur sind unbestritten Christentum, Aufklärung und Humanismus. Ein weises Volk gibt sich in seiner Verfassung die Präambel «gewiss, dass die Stärke des Volkes sich misst am Wohl der Schwachen» und hört darauf. Dazu dient der Bettag auch heute noch.

Roland Diethelm

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