Wangen a/A

Passionszeit („was uns nährt“)

Liebe Leserin, lieber Leser. Die ökumenische Kampagne widmet sich dieses Jahr dem Thema Saatgut. Was uns nährt, soll uns in der Passionszeit wieder bewusstwerden.

Bäuerliches Saatgut ist seit Jahrtausenden die Grundlage unserer Ernährung. Der Anbau von Nahrungsmitteln, die Auswahl und Pflege von Samen und die Züchtung verbesserter Sorten ist althergebrachtes Wissen. Noch heute produziert die kleinbäuerliche Landwirtschaft weltweit mehr als zwei Drittel der Nahrungsmittel und ernährt so die Menschheit. Die Agrarindustrie versucht über Patentierungen und Monopole die lokalen Sorten zu verdrängen. Statt Biodiversität steht am Ende industrialisierte Monokultur.

Dem äusseren Raubbau an den Lebensgrundlagen entspricht eine innere Verödung. Was uns seelisch nährt, fragen wir in diesen sechs Wochen. Die Passionszeit dauert 40 Tage und beginnt am 26. Februar. Wir bereiten uns auf das Osterfest vor. Es geht darum, sich auf ein Fest einzustimmen, einen äusseren Weg auch innerlich zu beschreiten und sich vorzubereiten auf die frohe Osterbotschaft: „Christus ist auferstanden, er ist wahrhaftig auch dir zu gute auferstanden und du wirst mit ihm leben!“

Die Passionszeit bereitet uns auf zweierlei Weise darauf vor.

Die Passion stellt uns vor Augen, wie mächtig der Riss in dieser Welt ist und wie schrecklich seine Folgen in Wahrheit sind. Jede echte Selbsterkenntnis führt dazu, eigenes Versagen und eigene Schuld anzuerkennen und zu bereuen und beweinen.

Die Passion stellt uns aber ebenso vor Augen, wer uns heilt und rettet. An Jesus wirkt sich die Bosheit unter uns Menschen aus, er schafft sie aus der Welt und überwindet sie. Auch in der Niedrigkeit seines Weges bleibt er Herr des Geschehens, Gottes Sohn.

Dies entfalten die sechs Sonntage in der Passionszeit.

Die Sonntage tragen die lateinischen Namen der ersten Worte ihrer Eingangspsalmen. «Invocavit» thematisiert Jesu Versuchung und eröffnet die Passionszeit. Der Sonntag «Reminiscere» erzählt von der Verklärung und Leidensankündigung Jesu. An «Oculi» hören wir von der Austreibung der Dämonen, welche unsere Welt beherrschen. Der Sonntag «Laetare» handelt von der Nachfolge Jesu, der Jüngerschaft. An «Judika» streiten diese Jünger um ihren Rang im Reich Gottes und am Tisch des Herrn. Und schliesslich bejubeln wir am Palmsonntag den Einzug Jesu in Jerusalem auf einem unkriegerischen Lasttier, auf dem Esel statt auf dem hohen Ross.

Wer diesen Weg von Galiläa und der judäischen Wüste nach Jerusalem an diesen Sonntagen oder am Beginn und Ende seines Tagewerks in der Mitte der Woche unter die Füsse nimmt, wird gewiss mit einer ganz besonderen Ruhe und Kraft belohnt werden!

Roland Diethelm

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