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Gedanken auf den Weg - Kommt und seht die Taten Gottes

Kommt und seht die Taten Gottes. Gedanken auf den Weg zum dritten Sonntag nach Ostern (Sonntag «Jubilate»).

Jauchzet Gott, alle Länder.
   Singt zur Ehre seines Namens, macht herrlich sein Lob.
Sprecht zu Gott: Wie furchterregend sind deine Werke.
    Deiner gewaltigen Macht schmeicheln deine Feinde.
Alle Länder werfen sich nieder vor dir
    und singen dir, singen deinem Namen. Sela
Kommt und seht die Taten Gottes,
    er waltet furchterregend über die Menschen.
Das Meer wandelte er in trockenes Land, zu Fuss schritten sie durch den Strom;
    wir wollen uns seiner freuen.
Ewig herrscht er in seiner Macht, seine Augen prüfen die Nationen;
    die Empörer können sich nicht erheben. Sela
Preist, ihr Völker, unseren Gott,
    lasst laut sein Lob erschallen,
der uns das Leben gab
    und unseren Fuss nicht wanken liess. (Psalm 66,1-9)

In diesen Tagen zeigt uns ein winzig kleines Teilchen seine Macht und setzt unser gewohntes Leben ausser Kraft. Es wäre schlechte Theologie, die Pandemie als Strafe Gottes zu proklamieren. Solche Unheilspropheten stellen sich selbst immer auf die sichere Seite und beweisen dadurch ihren eigenen Hochmut. Vor allem aber denken sie viel zu niedrig von Gott. Die Lektion, dass unseren menschlichen Plänen und Machtfantasien Grenzen gesetzt werden und unser Tun für uns selbst und für die Menschheit Konsequenzen hat, sollten wir hingegen beherzigen. Wir stehen als Einzelne und als Glieder einer Schicksalsgemeinschaft in diesen Tagen vor schwierigen Entscheidungen: Wie wägen wir den Schutz der Gefährdeten mit dem Erhalt des Wohlstands und dem Genuss der vertrauten Freiheiten gegeneinander ab? Erstmals seit langem kommt es auf jeden an und wir werden mit Leib und Seele für unsere Entscheidungen haften.

Für den Glauben steht uns in letzter Verantwortung nicht ein Virus gegenüber, sondern ein Gott, der uns wie ein Vater begegnen will. Werden unsere Entscheidungen, meine eigenen Taten, diesem Gegenüber gerecht? 

Gott zeigt seine Macht im Auszug aus Ägypten. Die ägyptischen Plagen waren der ehrliche Versuch Gottes, den Pharao und seine Herrschaft von Gottes Vaterliebe zu seinem Volk zu überzeugen. Sie hätten ihn zur Einsicht bringen können, dass es ernst gemeint ist: Lass mein Volk frei! Der oberste Repräsentant Ägyptens erwies sich als Gefangener seines Herrschaftssystems. Beim Versuch, dieses mit allen vorhandenen Mitteln zu retten, ertrank er mit Ross und Reiter im Roten Meer.

Im Psalm zum heutigen Sonntag singt die Gemeinde: «Unsre Seelen aber erhält er am Leben und führt uns heraus.» In der Wüste machte Gottes Volk vierzig Jahre lang die Erfahrung, ganz allein diesem Gott zu gehören. In Gottes Herrschaft zu leben - oder wie Jesus es sagte: sein Reich zu erwarten. Jesus verkündigte das Nahen des Reiches Gottes. Das war eigentlich nicht nur seine wichtigste Predigt. Es war seine ganze Botschaft. Was in der Karwoche und am Ostermorgen geschah, zeigt diese Botschaft dramatisch. Der den eigenen Interessen und der Staatsräson geopferte Mensch, nach unseren Begriffen ein Gescheiterter, ein Kollateralschaden der Menschheitsentwicklung, den erklärt Gott zum Ziel und Massstab des Menschlichen.

In den vierzig Tagen nach Ostern beleuchtet jeder Sonntag einen besonderen Aspekt dieses neuen unverweslichen Lebens. Am dritten Sonntag nach dem Ostermorgen fordert uns der Eingangspsalm auf, zu jauchzen und zu jubeln. Wir sind gerettet! Der österliche Jubel ist das Halleluja, «lobt Gott!» Der Jubel löst sich von seiner Sorge um sich selbst und schaut auf einen Grund ausserhalb seiner selbst. Jauchzen entfährt der Kehle, die gerade befreit worden ist. Befreit von der unerträglichen Last, sich selbst alles zu bedeuten. Der Mensch, so soll es der französische Denker und Schriftsteller Paul Claudel auf den Punkt gebracht haben, ist nicht zum Vergnügen geboren, sondern zur Freude. 

Gebet (von Sylvia Bukowski)

Gott,
wir sind hier, um uns an dich und deine Taten erinnern zu lassen.
Was wir heute hören soll uns tragen über die Abgründe unserer Sorgen,
soll uns Halt geben im Strudel unsrer trüben Gedanken,
soll uns bewahren, in unserm Selbstmitleid zu versinken.
Du, unser Gott, hast schon früher die tiefen Kerker der Trauer geöffnet,
hast die Meere der Angst geteilt und Menschen in die Weite einer neuen Freiheit geführt.
Gott, was du früher getan hast, das tu auch an uns,
damit das Jubellied von früher auch zu unsrem Jubellied wird.

Pfr. Roland Diethelm

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