Wangen a/A

Gedanken auf den Weg - Last auf den Schultern

Das Volk aber, das seinen Nacken unter das Joch des Königs von Babel beugt und ihm dient, lasse ich auf seinem Ackerboden; es kann ihn bebauen und auf ihm wohnen.
Jeremia 27,11

„Was tragen Sie wohl alles auf Ihren Schultern umher?“ fragte mich einmal ein Therapeut, der meinen verspannten Nacken massierte. Als er mein erstauntes Gesicht sah, fügte er hinzu: „Sie sind damit in guter Gesellschaft, die Schulter-Nacken-Massage ist diejenige, die weitaus am meisten gefragt ist.“
Wir Menschen schleppen offenbar vieles auf unseren Schultern umher. Tag für Tag. Familiäre Probleme, Sorgen, die uns drücken, Zukunftsängste, Verantwortung, die wir übernehmen (manchmal auch mehr, als wir müssen und können). Auch die momentane Situation mit dem Corona Virus trägt das ihre dazu bei.
Die dadurch ausgelöste Verspannung versuchen wir dann durch ein Bad, Medikamente oder eine Massage zu lösen. Doch meist bringt dies nur kurzfristig Erleichterung, denn die Ursache, das Belastende bleibt.

Das einfachste wäre natürlich, das Joch einfach abzulegen. Nur: Meistens ist das bei den Belastungen, die uns drücken, gar nicht möglich. Das war auch damals, als das Volk Israel in Babel in der Verbannung war, so. Gott schlug daher durch den Propheten Jeremia eine andere, überraschende Variante vor. Er sagte: Lehnt euch nicht gegen die Last auf euren Schultern auf, sondern versucht, das Joch anzunehmen. Ich werde euch helfen, damit zu leben, das Land zu bebauen und zu bewohnen.

Das einfachste wäre natürlich, das Joch einfach abzulegen. Nur: Meistens ist das bei den Belastungen, die uns drücken, gar nicht möglich. Das war auch damals, als das Volk Israel in Babel in der Verbannung war, so. Gott schlug daher durch den Propheten Jeremia eine andere, überraschende Variante vor. Er sagte: Lehnt euch nicht gegen die Last auf euren Schultern auf, sondern versucht, das Joch anzunehmen. Ich werde euch helfen, damit zu leben, das Land zu bebauen und zu bewohnen. Dieser Ratschlag gilt auch für uns. Ich staune immer wieder, wie viel Kraft und Energie manche Leute in einen – zum Teil aussichtslosen und ermüdenden – Kampf gegen etwas Belastendes einsetzen. Damit geben sie dem, was sie doch nicht ändern können, nur noch mehr Gewicht.

Ich denke dabei an Krankheiten, an durch andere erfahrene Verletzungen, an Schicksalsschläge oder auch an Naturgewalten. Es kann auch uns – wie dem Volk Israel damals – in solchen Situationen helfen zu sagen: Das ist mein Joch, das habe ich zu tragen. Und darauf zu vertrauen, dass Gott uns helfen wird, damit umzugehen. So dass wir uns nicht immer nur um das drehen, was uns belastet, sondern dass wir produktiv werden können, neue Ideen haben können, unsere Kräfte auch für anderes frei haben und unsern Acker bebauen können.

Das heisst nicht, dass wir einfach alles, was auf uns zukommt, ohne Widerspruch annehmen müssen. Das wäre gerade im Fall des Corona Virus fatal. Wir dürfen und sollen Lösungen zur Bekämpfung suchen, Mittel und Wege ausprobieren, welche die Last auf unsern und andern Schultern verringern können. Und wir dürfen, wo es möglich und nötig ist, auch „Nein“ sagen. Wir dürfen Verantwortung abgeben und mit andern teilen.

Das gelingt aber nur, wenn wir annehmen können, dass immer etwas auf unseren Schultern lastet. Ein unbeschwertes, problem- und schmerzfreies Leben hier auf der Erde bleibt eine Utopie. Nicht aber, dass Gott uns helfen will, unser belastetes Leben möglichst gut zu gestalten. Amen


Gebet
Gott, himmlischer Vater,
manchmal wird gesagt, dass du uns nicht mehr
auflegst, als wir zu tragen vermögen. Ich hoffe und
vertraue darauf, dass es eher umgekehrt ist.
Dass du uns hilfst, das zu tragen, was uns – woher
auch immer – auferlegt ist und uns Kraft und
Ausdauer gibst, um damit umgehen zu können.
Danke Gott, dass du uns nicht mit einem Joch
drücken willst, sondern uns helfen willst, so gut wie
möglich leben zu können. Amen.

Pamela Wyss

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