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Gedanken auf den Weg: Auffahrt - Gott traut uns etwas zu

Während vierzig Tagen zeigte der Auferstandene sich den Jüngern immer wieder und sprach vom Reich Gottes und sagte: Ihr werdet meine Zeugen sein bis an die Enden der Erde. Dann wurde er vor ihren Augen empor gehoben. Eine Wolke nahm ihn auf und entzog ihn ihren Blicken. Während sie ihm nachschauten, sagten auf einmal zwei Männer in weissen Kleidern, die bei ihnen standen: Leute aus Galiläa, was starrt ihr in den Himmel? Dieser Jesus, der von euch weg in den Himmel aufgenommen wurde, wird auf dieselbe Weise wieder kommen. aus Apostelgeschichte 1

Diese Woche ist Auffahrt. Für viele Leute bedeutet dieses Fest, ausser einem zusätzlichen freien Tag, kaum etwas. Auch bei mir hielt sich die Begeisterung dafür lange in Grenzen. Was soll an Auffahrt schon gefeiert werden? Dass Jesus die Welt mit ihren Leiden endgültig verlassen hatte und wieder ganz bei Gott war? Aber ist das ein Grund zur Freude? Es bedeutet doch auch, dass er die Seinen alleine zurück liess. Dass er, anders als durch die Geburt in Bethlehem erhofft, nicht mehr unter den Menschen lebt und ihnen nicht mehr nahe ist. Dass sein Platz eben doch im Himmel bei Gott ist.

So dachten auch die Jünger Jesu. Sie fühlten sich nach dem Tod ihres Lehrers verlassen, in ihren Hoffnungen betrogen und zogen sich zurück. Doch der Auferstandene hatte sie nicht einfach zurück gelassen. Er ist ihnen vierzig Tage lang immer wieder erschienen, hat ihnen die Schriften erklärt, vom Reich Gottes gesprochen und sie ermutigt, Zeugen für ihn zu sein. Zudem hat er ihnen als Hilfe und Beistand den Heiligen Geist versprochen. Er hat ihnen zu verstehen gegeben: Ich traue euch etwas zu. Ihr könnt meine Botschaft weiter leben und verbreiten, auch ohne mich. Auch durch euch kann Liebe gelebt werden. Kann andern geholfen werden. Kann Gutes getan werden. Auch durch euch kann die Gegenwart Gottes auf  der Erde sichtbar werden.   

Im ersten Moment trauten die Jünger sich dies noch nicht zu. Doch mit der Zeit fassten sie Mut und begannen es mit Taten und Worten umzusetzen.

Nicht nur für die Jünger damals, für uns alle ist es wichtig, zu hören und zu spüren: Mir wird etwas zugetraut. Ich bin kein unmündiges Kind, dem man bei allem helfen muss, das für alles fragen muss. Ich schaffe das. Dies ist gar nicht so selbstverständlich, wie es tönen mag. Oft hören wir auch noch als Erwachsene: Das kannst du nicht, überlass das lieber jemand anderem! Das führt dazu, dass wir uns manches nicht zutrauen und meinen, andere seien viel besser darin. V.a. weniger Gebildeten oder auch Frauen kann es so gehen und Menschen mit einem kleinen Selbstbewusstsein.

Bei Gott ist dies nicht so, ganz im Gegenteil. Gott hält uns Menschen für mündig. Und dies, obschon wir uns immer wieder von ihm abwenden und nicht an seine Gebote und Weisungen halten. Er traut uns trotzdem zu, dass wir unseren Weg gehen können. Und: Dass wir Zeugen für ihn sein können. Gott traut uns zu, sein Werk hier auf der Erde fortzusetzen. Dies ist für mich eine der zentralen Botschaften von Auffahrt.

Um Zeugen für Gott sein zu können, müssen wir keine Superhelden sein. Wir dürfen aber auch nicht stehen bleiben und hilfesuchend in den Himmel starren, sondern müssen, wie die Jünger es taten, uns in Bewegung setzen. Wir müssen uns gegenseitig ermutigen, uns und andern etwas zutrauen und mit dem Beistand des Heiligen Geistes rechnen.

Vielleicht denkst du nun: Das tönt ja gut, aber zum einen gibt es eben doch Dinge, die andere besser können als ich. Und  zum andern kommt es lange nicht immer gut heraus, wenn ich jemandem etwas zutraue. Es kann auch schief gehen. Das stimmt. Es gelingt nicht immer alles. Wir können uns und andere auch überfordern. Und auch Scheitern gehört dazu. V.a. dann, wenn wir uns nur auf unsere eigenen Kräfte verlassen.

Aber zum Glück müssen wir das nicht. Wir sind gemeinsam mit andern unterwegs. Gerade in der momentanen Krisenzeit erfahren wir das immer wieder. Andere können uns ergänzen und unterstützen und uns mit ihren Ideen bereichern. So schaffen wir auch Dinge, die wir alleine kaum anpacken würden.

Und wir sind mit Gott unterwegs. Er lässt uns nicht allein, auch wenn sein Sohn nicht mehr sichtbar auf der Erde ist. Im Gegenteil: Er traut uns etwas zu. Und er kann uns  helfen, es auch umzusetzen. Amen.

Gebet

Gott, Vater,
danke, dass du uns nicht nur geschaffen hast, sondern willst, dass wir uns weiter entwickeln. Du glaubst an uns und traust uns etwas zu.
Hilf uns, dass auch wir an dich glauben. Dass wir dir vertrauen, dass du uns nicht allein lässt, auch wenn du nicht mehr sichtbar auf der Erde bist.
Und hilf uns, dass wir einander Dinge zutrauen und uns gegenseitig ermutigen, auch wenn nicht immer alles gelingt. Amen.                                    

Pamela Wyss

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