Wangen a/A

Gedanken auf den Weg: Pfiet eich!

Vielleicht geht es euch wie mir und ihr stolpert über diese zwei Worte, müsst genau hinsehen und nochmals lesen. Ist das Deutsch?

Fast. Es ist Österreichisch und heisst so viel wie „Behüte euch (Gott)“. Diesen Gruss haben mein Mann und ich während unserer Ferien in Österreich immer wieder gelesen und gehört: auf Ortstafeln, auf Menu-Stellern vor Restaurants, als Verabschiedung auf einem Berggipfel, beim Bezahlen im Hotel. Es hat mich berührt, wie selbstverständlich in unserem Nachbarland diese Worte ausgesprochen werden und auch fremden Menschen der Schutz und Segen von Gott gewünscht wird.

Und es hat mich an die Briefe des Neuen Testaments erinnert, in welchen am Anfang und Schluss meist auch ein solcher Wunsch mitgegeben wird (z.B. Epheser 1,2):

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater und dem Herrn Jesus Christus.

Es ist mir bewusst, dass solche Worte meist automatisch und wohl eher floskelhaft verwendet werden. Und doch bin ich überzeugt, dass sie eine Wirkung und Bedeutung haben. Es macht einen Unterschied, ob ich andern Menschen einen guten Tag, gute Besserung, ein Wiedersehen wünsche oder ob ich sie (dann wohl eher unausgesprochen) ins Pfefferland schicken möchte und hoffe, dass sie mit ihrem Vorhaben scheitern.  

Ich habe mich gefragt, was ich selbst andern Menschen wünsche. Bei Familien-angehörigen, guten Freunden und Bekannten sind es meist ehrlich gemeinte gute Wünsche. Ich freue mich mit ihnen (und profitiere vielleicht sogar mit), wenn sie Erfolg haben und es ihnen gut geht. Es kommt aber auch vor, dass ich neidisch auf andere bin, es ungerecht finde, dass sie Glück hatten und ich nicht und möchte mindestens gleich gut dastehen wie sie. Und manchmal – vor allem, wenn ich mit etwas nicht einverstanden bin oder verletzt, enttäuscht wurde - wünsche ich andern auch, dass sie versagen, dass sie merken, dass sie auf ihre Weise nicht weiter kommen, dass sie leiden mögen.

Solche Gedanken sind nicht schön, aber ein Stück weit menschlich. Sogar in der Bibel finden wir, v.a. in den Psalmen, immer wieder recht heftige derartige Verwünschungen von Feinden und Gegnern.

Wenn wir solche Gedanken versuchen zu unterdrücken, machen wir uns etwas vor und riskieren, dass sie plötzlich unkontrolliert hervor brechen. Es ist daher besser, wenn wir sie uns bewusst machen, sie wie die Psalmisten vor Gott legen und ihn bitten, uns zu helfen, damit umzugehen.

Ein noch viel höheres Ideal hat Jesus. Er fordert nicht nur positive Gedanken, sondern auch positives Handeln, selbst Feinden gegenüber: Liebet eure Feinde, tut denen Gutes, die euch hassen. Segnet, die euch fluchen und betet für die, die euch misshandeln (Lk 6,27+28). Aus eigener Kraft können wir dies nicht erreichen, es gelingt nur, wenn Gott uns dabei hilft.

Wir können aber versuchen, einen ersten kleinen Schritt zu tun und andern, Bekannten und Unbekannten, Gutes, z.B. ein ‚Bhüet di Gott‘, zu wünschen. Ein Sprichwort sagt: Der Wunsch ist der Vater des Gedankens. Meist wird dies bei negativen Gedanken verwendet, aber ich gehe davon aus, dass es  auch im positiven Sinn Gültigkeit hat. Wenn ich jemandem, ausgesprochen oder nicht, Gutes wünsche, so wird sich das in meiner Haltung ihm gegenüber äussern. Und in meinen Gefühlen. Ich bin entspannter, zuversichtlicher und offener, als wenn ich einen Groll gegen jemanden hege und negativ denke.

Ich habe jedenfalls gestaunt, welch positive Wirkung schon nur der kurze Wunsch „Pfiet eich“ diesen Sommer auf mich hatte. Ich bin nach einem solchen Gruss dankbar und beschwingt vom Treffen auf dem Berggipfel abgestiegen. Und der eher kritisch beurteilte Biergarten wurde mir beim Lesen des Stellers vor der Tür plötzlich viel sympathischer.

Viele liebevolle Gedanken für andere wünscht euch 

Pamela Wyss

Gebet

Gott, danke für die Menschen, die mir Gutes wünschen und mich mit ehrlich gemeinten, ermutigenden Worten stärken und begleiten.

Hilf auch mir, meinen Mitmenschen Glück und Segen nicht nur zu gönnen, sondern auch zu wünschen. Und lass mich diese Wünsche auch aussprechen.

Und wenn ich Mühe damit habe, wenn ich gegen andere einen Groll hege oder verletzt bin, so hilf mir diese Gefühle dir anzuvertrauen und schenke mir positive, aufbauende Gedanken.    

Amen.

zurück