Wangen a/A

Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen

Liebe Leserin, lieber Leser. Wo haben Sie diesen Sommer ihre Ferien verbracht? Viele Schweizer sind dieses Jahr im Land geblieben und haben die Berge erkundet. Auch ich.

Meistens, wenn ich eine Wanderung vorschlage, ist ein Gipfel mit dabei. Mein Mann fragt dann jeweils leicht resigniert: „Warum must du eigentlich auf jeden Hügel steigen?“ Ganz genau kann ich es nicht sagen, aber eine „richtige“ Wanderung geht für mich einfach in die Höhe. Und: Ich bin damit nicht allein.

Berge haben die Menschen schon immer fasziniert. Durch ihre Grösse, ihre oft schwierige Zugänglichkeit, ihre Bedrohlichkeit, durch die Aussicht und Übersicht, die sie bieten und auch durch ihre Nähe zum Himmel. Es ist kein Zufall, dass Berge wie der Kilimandscharo in Tansania oder der Uluru in Australien bei den Ureinwohnern als heilig gelten. Und sowohl der Tempel in Jerusalem, als auch viele Kirchen und Kapellen wurden auf einem Berg erbaut. „Auf einem Berg ist man Gott ein Stück näher“ – diesen Satz höre ich immer wieder. Zumindest gefühlsmässig mag er stimmen. Auch in der Bibel spielen Berge wichtige Rollen. Auf einem Berg ist die Arche Noah gestrandet. Auf dem Berg Sinai hat Mose die 10 Gebote von Gott erhalten. Jesus hat auf einer Anhöhe seine „Bergpredigt“ gehalten, hat sich auf einen Berg zurückgezogen zum Beten, hat die letzten Stunden vor seinem Tod am Ölberg verbracht und ist von dort in den Himmel aufgefahren.

Sowohl für eine Bergwanderung, als auch im Leben ist es wichtig, dass man sich gut vorbereitet: Gutes Material, gute Ausrüstung, Karten und Proviant erleichtern den Weg. Unterwegs lernt man, die Umgebung genau zu beobachten, Abzweigungen und schlecht sichtbare Wegspuren zu erkennen und entwickelt ein Auge für Blumen, Tiere und spezielle Gesteinsformen. Die eigenen Kräfte müssen realistisch eingeschätzt warden und man muss sich bewusst zu sein, dass ein Berggipfel meist nicht das Ende einer Tour ist, sondern noch ein Abstieg wartet. Und: Man muss auch abbrechen und umkehren können, wenn das Wetter umschlägt, die Gefahr zu gross, der Weg zu weit, zu schwierig wird. All dies sind Dinge, die auch sonst in unserem Leben wichtig sind. Am Berg können wir sie üben. Ich wünsche Ihnen viel Vergnügen auf Ihrer nächsten Wanderung!

Pamela Wyss

Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen: Woher kommt mir Hilfe? Meine Hilfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

Dies ist der Anfang des Psalms 121. Es ist ein Lied, das auf dem Weg hinauf nach Jerusalem zum Tempel gesungen und gebetet wurde. Besorgt fragt sich der Pilger: Woher kann ich auf dem nicht ungefährlichen Weg und auch in meinem Leben Hilfe erwarten? Die Antwort gibt er gleich selbst: Nicht von irgendwelchen Höhenheiligtümern, sondern vom Schöpfer von Himmel und Erde. Er richtet darum seinen Blick hinauf zu ihm in den Himmel, hinauf auch nach Jerusalem, wo der Pilger den Herrn im Tempel anbeten will. Bis heute wird Psalm 121 als Reisegebet und –segen verwendet. Seine ermutigenden Worte können auch uns auf unserem Unterwegssein begleiten und stärken:

Der Herr behütet dich vor allem Bösen, er behütet dein Leben. Der HERR behütet deinen Ausgang und Eingang von nun an bis in Ewigkeit.

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