Wangen a/A

Mitten wir im Leben sind mit dem Tod umfangen

Liebe Leserin, lieber Leser. Mit diesen Worten beginnt ein gregorianischer Choral, den der Reformator Martin Luther ins Deutsche übersetzte und der auch in unserem Gesangbuch zu finden ist.

Das Barock-Orchester Grenzklang hat den Choral als Titel für seine Novemberkonzerte gewählt, in denen es sich mit seinen Gesangssolisten und dem jungen Vokalensemble „stimmig!“ auf musikalische Weise der menschlichen Grenzerfahrung Tod nähert.

Das Leben ist nahe am Tod, auch wenn wir diese Tatsache heute oft verdrängen. Ganz anders war das bei Johann Sebastian Bach. Er hat sich intensiv mit dem Sterben auseinander gesetzt und den Tod nicht nur gefürchtet, sondern als Erfahrung der Erlösung gesehen. In seiner Kantate „Gotteszeit ist die allerbeste Zeit“ nimmt er Bezug auf Endlichkeit, Sterben, Auferstehung und ewiges Leben und verwendet dazu Bibelzitate aus dem Alten und Neuen Testament und Lieder von Luther und Reuser. Er hat damit, als vermutlich erst 22-Jähriger, ein geniales Werk geschaffen, das auch durch die einzigartige Besetzung mit zwei Blockflöten, Gamben und Continuo überrascht.

Thematisch und von den Instrumenten her fast identisch ist die Trauerkantate von Georg Philipp Telemann. Hier bildet der Schlussvers aus dem alttestamentlichen Buch Daniel die Grundlage für die Komposition.

Im Gottesdienst am Ewigkeitssonntag werden Markus Oberholzer, Bariton, Sabina Weyermann, Blockflöte und Oboe d’amore und Rainer Walker, Orgel Teile dieser drei Werke musizieren. Am Samstagabend ist das Programm in seiner vollen Länge zu hören. Als Kontrast dazu wird dort das Ensemble „stimmig!“ zwischen den Kantaten das Stück „Media Vita“ von Michael Mc Glynn a capella vortragen.

Rainer Walker

Musik zum Ewigkeitssonntag

Samstag, 21. November, 19.00 Uhr

Konzert in der Reformierten Kirche Wangen a.A. mit Barockensemble Grenzklang, Solisten und Vokalensemble stimmig!

Sonntag, 22. November, 10.00 Uhr

Musik im Gottesdienst zum Ewigkeitssonntag mit Gesang, Flöte, Oboe und Orgel

Was bleibt?

Was no blybt?

Es liebs, stills Dänke a ne wunderschöni Zyt,

an e Zyt, wo nid cha stärbe,

we si ou dehinger lyt.

Diese Worte standen als Spruch über einer Todesanzeige. Was bleibt? Vermutlich haben Sie sich das auch schon gefragt. Besonders im Zusammenhang mit dem Tod eines nahestehenden Menschen. Ist es, wie der Text sagt, die Erinnerung an eine schöne Zeit? Oder ist es vielleicht auch die Erinnerung an Schwieriges? Und bleibt wirklich nur die Erinnerung oder nicht auch mehr? Bleibt überhaupt etwas? Das Leben geht weiter und die Menschen vergessen schnell. Über solche Fragen denken wir im Gottesdienst am Ewigkeitssonntag nach.

Dieses Jahr kommt der Feier eine besonders wichtige Rolle zu. Viele Angehörige mussten wegen der Corona-Krise im kleinen Kreis Abschied nehmen. Umso wichtiger ist es, ihrer gemeinsam im Gottesdienst noch einmal zu gedenken und eine Kerze für sie anzuzünden.

Alle, nicht nur Angehörige von Verstorbenen, sind herzlich dazu eingeladen.

Pamela Wyss

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